Zwischen Himmel und Hölle

Kurz vor “Lands End” liegt rechter Hand der kleine Ort Sennen Cove und den sollten sie auf keinen Fall verpassen. Von hier kann man auf einer sehr schönen Wanderung nach Lands End gelangen, ohne dort lästigen Eintritt zahlen zu müssen. Kulinarisch wird Sennen Cove neuerdings vom “The Guardian” als Geheimtipp gehandelt, weil Ben Tunnicliffe ein Strandrestaurant eröffnet hat. Der ehemalige Sternekoch versucht sich jetzt in massenkompatibler Bistroküche, kann das gut gehen?


Das Strandrestaurant liegt windgeschützt am wunderbaren “Whitesand bay”. Um 11:00 Uhr fragen wir nach, ob es schon eine Tageskarte gibt. Die Servicekraft teilt uns mit, dass die Karte erst kurz vor  dem Lunch geschrieben wird, da man noch nicht weiss, was der Chefkoch heute einkauft. Das klingt doch vielversprechend! Leider kommt es anders.

Das Restaurant ist organisiert wie ein englischer Pub. Das Besteck steht im nummerierten Krug auf dem Tisch, man bestellt drinnen am Tresen anhand der Tischnummer. Eines wird schnell klar, Tunnicliffe will jetzt endlich richtig Geld verdienen, das ist ja auch soweit in Ordnung, nur leider spürt man das eben auch. Nun erhofft man sich aber doch vom ehemaligem Sternekoch wenigstens noch etwas übrig gebliebenen Kochehrgeiz. Der kommt dann auch prompt, in Form einer himmlischen Vorspeise:

Jakobsmuscheln auf Pastinakenpüree mit Nussöl und  Speck, einfach himmlisch und sternewürdig.

Als nächster Gang kommt dann leider gleich der totale Absturz direkt hinterher. “Langzeitgegartes Rindfleisch mit Seehecht und Grün”, so steht es zumindest auf der Karte.

Also, was soll ich sagen, ich sitze etwas ratlos vor dem Teller, die Kombination ist ansich ja schon etwas gewöhnungsbedürftig, selbst für “Surf and Turf” Fans. Mir scheint aber eher der Seehecht  langzeitgegart, so trocken ist er. Dafür ist das Rindfleisch nicht ganz weich geschmort, das Püree furchtbar und das “Grün” einfach Blattspinat der Sorte “Winterhart”. Die schlammfarbene Schmorbratensauce ist grausam, das ist die kulinarische Hölle. Wie können zwei so qualitativ unterschiedliche Gerichte aus ein und derselben Küche kommen? Das Spaghettigericht meiner Frau mit Krabbenfleisch ist dermassen knoblauchlastig, dass es einem den Atem verschlägt.

Schade Herr Tunnicliff. Ich kritisiere wirklich ungern Kollegen, aber das war Himmel und Hölle gleichzeitig, so muss es sich anfühlen, beim jüngsten Gericht oder beim Achterbahnfahren für Feinschmecker. Gott erbarme sich meiner! Da ist sie wieder, die englische Küche, die einem das Fürchten lehrt. Zumindest entschädigt der Ausblick und mein Tipp: bleiben sie einfach bei den Vorspeisen mit einem Glas Weisswein, dann jubilieren die Engel!

 

http://benatsennen.com

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