Das Herz bleibt unverkäuflich

Der Satz steht auf den roten Kunststofftüchern, die den Fischmarkt von Venedig vor der Sonne schützen sollen. Ein Graffiti der nachdenklichen Art. Was die Macher damit ausdrücken wollen, kann ich als Fremder natürlich nur erahnen. Aber dazu später.

Venedig ist eine traumhafte Stadt und das trotz Touristenmassen, Umweltsorgen, Logistikproblemen und nicht zuletzt Flutproblemen. Wohl keine Stadt der Welt weist eine derartige Ansammlung von Kunst pro Quadratkilometer auf. Venedig platzt förmlich vor lauter Kunst und die Stadt hat diese magische Aura, dieses gewisse Etwas, dem man sich nur schwer entziehen kann. Es ist wie ein Virus der einen infiziert und einen leichten rauschähnlichen Zustand erzeugt. Ich lächle in Venedig über Dinge die mich in München oder Basel nur aufregen würden. Was muss diese kleine, dicht bebaute Insel für eine Kraft haben, wenn alle diese Probleme ihr fast überhaupt nichts anhaben können, sie scheinen abzuperlen wie an einer Lotuspflanze das Wasser abperlt. Zumindest wirkt es so.  Und dabei sind  die Probleme tatsächlich erdrückend. Man nehme allein die 30 Millionen Touristen pro Jahr, bei einer Einwohnerzahl von nur 70 Tausend!

Venedig hat gerade mal acht öffentliche Toiletten auf das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Lächeln.

Der Einzelfahrschein für das Linienmotorboot kostet 7.50 Euro, meist ein Stehplatz.

Lächeln.

Um eine der großen Sehenswürdigkeiten zu besuchen, muss man Stunden anstehen.

Lächeln.

Die Touristenrestaurants ziehen einem 100 Euro aus der Tasche für zwei banale Tagesmenüs
mit 2 dl Billigwein.

Lächeln.

Auf dem Canal Grande herrscht das komplette Verkehrschaos, seltsamerweise ohne Stau.

Lächeln

Die Stadt ist voll fliegender Händlern die alle das Gleiche verkaufen, diese Jahr fliegende Plastikschweine.

Lächeln.

Aber das ist doch alles kleinlich, es handelt sich doch hier immerhin um eine der größten, schönsten, aufregendsten und leuchtendsten Aufführungen der Welt, nicht nur Weltkulturerbe, sondern eigentlich ein Weltwunder der Superlative.

Einfach Wahnsinn! So ist das mit dem Virus  La Serenissima Republica di San Marco ;
auch genannt Venedig.

 

 

Alles kommt übers Wasser oder lebt vom Wasser:

Print Friendly
  1. Micha sagt:

    In Venedig ein Mal Mäuschen sein, als dieses Stadt in Blüte stand… an Bellinis Bildern sich die Nase platt drücken, und staunen, dass die Farbe in echt auch so brilliant ist… Ich hätte große Lust, diese Stadt wieder einmal zu besuchen.

    Vor Kurzem sah ich im TV eine Dokumentation, wieviel Kreuzfahrtschiffe Venedig im Jahr anfahren, im Prinzip neben Venedig halten, was der Hauptgrund des Smog-Problems dieser Stadt ist, denn die Motoren dieser Schiffe müssen auch im Stehen weiterlaufen. Es ist schon ein Ausverkauf dieser Stadt – zum Leidwesen der Einwohner, die Venedig nicht nur zu Mickey Mouse verkommen lassen.

    Schöne mitgebrachte Eindrücke!

  1. There are no trackbacks for this post yet.

Kommentar hinterlassen