Cafe de Paris – Witz oder Wunder

Ein Restaurant mit nur einem Gericht auf der Karte, berühmt für die Erfindung
der legendären “Cafe de Paris-Butter” und seit Jahrzehnten gut besucht, so etwas
zieht mich magisch an. Zudem, um das Rezept für die Kräuterbutter wird ein echtes
Geheimnis gemacht wird. Im Internet kursieren die tollsten Rezepte, die alle ver-
suchen sich dem Original anzunähern. Auf der Rückreise aus der Provence hab
ich endlich meinen lang aufgeschobenen Besuch absolviert. Ob sich der Umweg
gelohnt hat erfahren sie hier.

Das “Cafe de Paris” liegt mitten im Genf in der Fussgängerzone. Eingerichtet ist das
Restaurant wie altes Pariser Bistro, sehr gemütlich. Das einzige Gericht des Hauses
wird an sieben Tagen in der Woche, von Mittags bis Nachts serviert. Dementsprech-
end erübrigte sich auch die Frage was wir Essen wollten. Die junge, sehr freundliche
Kellenerin fragte nur ob wir essen wollten (Kaffee und Kuchen gibt es nämlich auch)
und schon nahm die Sache  ihren Lauf. Vorweg ein sehr einfacher, grüner Salat, dann
der Hauptgang. Zwei perfekt gegrillte Rindersteaks auf einem dicken Bett von zimmer-
warmer Kräuterbutter, die sofort zu schmelzen begann als die Chrom Anrichteplatte
auf ein Rechaud gestellt wurde. Dazu dünne Pommes Frites. Jetzt schwammen die
höchstens 150 gramm schweren Steaks bereits in der geschmolzenen Butter. Also
schnell zulangen bevor die Steaks durchziehen. Aber was war das, der erste Biss der
geheimnissvollen Delikatesse lies mich erschaudern. Die sagenumwoben Kräuterbutter
schmeckte ganz schlicht und wenig ergreifend nach Herbamare Kräutersalz !!!!!
Vielleicht auch Kräutersalz einer vergleichbaren Marke, das will ich nicht beschwören.
Keine Spur von reduziertem Madeira, Cognac, frischen Kräutern, Anchovis und was sonst
noch in Bloggerrezepten veröffentlicht wird. Dafür der typische Geschmack nach
Zwiebel- und Knoblauchgranulat mit einer ordentlichen Dosis Ceyennepfeffer. Was für
eine Enttäuschung! Das auch noch als Franchisekonzept zu vermarkten scheint mir
der grösste Marketingbluff zu sein der mir je untergekommen ist. Ehrlich, da schmeckt
die “Meggle” Kräuterbutter aus dem Supermarkt besser.

Nur die Art das Gericht zu servieren scheint mir erwähnenswert ( die warme Butter unter
dem Steak). Hier ein paar Rezepte für zu Hause. Alle diese Rezepte liegen  kulinarisch
Lichtjahre über dem Original.

Hier von lamiacucina oder von highfoodality in Perfektion dargebracht.

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  1. WildeHenne sagt:

    Man hat Dich hinterher sicher gefragt, ob es geschmeckt hat. Hast Du was gesagt? Und wenn ja, was war die Antwort?

  2. zorra sagt:

    Mitten in Genf stimmt nicht. Es ist beim Bahnhof. Früher gab es mal ein Lokal auf der anderen Seite der Mont Blanc Brücke. Hiess irgendwas mit L’Entrecote und da hat man richtig gut gegessen.

  3. Das ist ja unglaublich! Denn was ich bisher rundherum gelesen habe, klang immer eher nach “Genf ist alleine deswegen eine Reise wert”. Wenn ich Deinen Artikel so lese, fülle ich lieber meinen Home-Made-Vorrat wieder auf, probiere noch Roberts Variante und spare mir die Kilometer…

    Danke für’s Erwähnen! :)

  4. lamiacucina sagt:

    Ich plante bei unserem nächsten Genfbesuch in diesem Lokal zu essen, einfach weil mich das Original interessiert. Nun lasse ich das lieber. Dass eine Kräuterbutter in der Hitze auf einem Réchaud schmilzt, ist mir klar. Das passiert auch bei meiner Version, wenn man nicht aufpasst. Mit Herbamare darf man schon würzen, aber nur so, dass man es nicht merkt.

  5. black widow sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren! Ich selber machte auch schon einige Abstecher nach Genf und fast jedesmal wollte ich mal in dieses Lokal gehen. Nachdem ich nun den Erfahrungsbericht von “ralf” gelesen habe, kommen aber echte Zweifel in mir auf. Aber vorstellen kann ich mir so einen Werdegang schon! Ist leider wie bei vielen Firmen, Jobs etc! Massenabfertigung (Kommerz) /Personalkosten-Einsparung, andere (billigere) Materialien = Kastration von Qualität, Mitarbeiter-Motivation und schlussendlich “dümpelt” eine Firma/Produkt, welche mal einen guten Ruf/Namen hatte in den sozialen “Fall Out”! Nichts-desto-trotz werde ich mir den Laden trotzdem mal ansehen. Früher, als wir noch in Engelberg/OW Ferien machten, gingen wir meistens ins Restaurant Wasserfall essen. Dort gab es auch eine geniale Kräutersauce, wenn man ein Rinds-Entrecote bestellte. Ist schon etwa 15-20 Jahre her und mittlerweile hat das Lokal einen neuen Besitzer. Die Sauce gibt es dort leider nicht mehr, was wirklich ein Verbrechen ist!!! Gruss Black Widow

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