Wir Mäkelesser

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Ich liebe es wenn sich die Menschen die ich mag sich an meinem
Tisch versammeln, wie eine italienische Grossfamilie. Dabei muss
bei der Menüplanung aber meist sehr genau überlegt werden wer was
nicht mag. Hier eine gekürzte Zusammenfassung: Meine Frau mag
keine Zwiebeln, mein Sohn kein gekochtes Gemüse, eine Freundin
meiner Frau kein Fleisch, die Freundin von meinem Sohn keinen Fisch,
ein Freund von mir kein Schweinefleisch, alle Frauen natürlich kein
blutiges Fleisch oder rohen Fisch usw. Es gibt wirklich Menschen
die hassen Kaffee, selbst den Duft davon und wie ich nun lese hasst
Herr Siebeck Kürbis, dabei ist er sonst ein erklärter Fan von pürierten
Gemüsesuppen.

Was hat das alles zu bedeuten?

Im Fall von Herrn Siebeck würde ich meinen, es es handelt sich um Art
journalistische Überspitzung, die das Schreiben überhaupt erst sinnvoll
macht. Die restlichen Fälle kann ich mir nur psychologisch erklären. Wir
werden immer individualistischer. Der grosse gemeinsame Tisch um den
sich Familie und Freunde versammeln, kommt immer seltener vor, viel-
mehr sitzen wir meist allein Zuhause und schieben lustlos irgendein Fertig-
gericht in die Mikrowelle und individualisieren vor uns hin und suchen die
Zwiebelstückchen aus dem Nasi Goreng.

Es gibt diese Pyramide der menschlichen Bedürfnisse von einen gewissen
Herrn Maslow. An unterster Stelle stehen die Basisbedürfnisse, wie z.B.
Hunger stillen. Ist das erfüllt geht´s schnell zu den nächsten Stufen. Zu
oberst steht dann die Selbstverwirklichung und mit der muss unser Problem
auch irgendwas zu tun haben.

Der Horror aller meiner Restaurant Kochkollegen: Eine Gruppe von 15
Gästen meldet sich im Restaurant an, mit der Bitte “á la Carte” bestellen zu
dürfen und das wenn´s geht noch an einem Sonntag Mittag, wenn das Res-
taurant bis auf den letzten Platz besetzt ist. Kein Problem wenn zehn Köche
in der Küche stehen, ein Desaster wenn der Küchenchef mit seinem Azubi
allein da steht.

 

Übrigens: Ich selbst mag keine rohen Austern, keine Mehlpampen als Sauce
und keine überdimensionierten Schlachteplatten.

 

Auch noch interessant: Das Wort “mäkeln” hat seine Bedeutung aus dem
kaufmännischen und meinte zunächst einen Zwischenhandel abzuwickeln.
Dazu der Duden: “Der Bedeutungswandel erklärt sich daraus, daß die
Zwischenhändler häufig die Waren bemängelten, um den Preis zu drücken”,
sie mäkelten eben!

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8 Antworten auf Wir Mäkelesser

  1. Micha sagt:

    Also wir beide könnten unkompliziert zusammen essen – das was du nicht magst, mag ich auch nicht. Und Salzkartoffeln würde ich vielleicht ebenfalls verschmähen.

  2. Wilde Henne sagt:

    Und ich mag keine schnäderfräsigen (mäkelige) Leute am Tisch! Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, sind es Leute, die auf dem Teller das Essen sezieren. Da krieg ich echt die Krise. Zu diesem Thema hatte ich letztens auch grad einen Post:
    (http://wildespoulet.blogspot.ch/2012/10/ein-ganz-normales-mittagessen.html)
    Wer bei mir am Tisch sitzt, isst das, was ich auftische. Klar koche ich so, dass es der Mehrheit schmeckt – ich kenne ja meine Gäste. Aber auf jeden Pups nehme ich nicht Rücksicht. Hingegen für Vegetarier und allfällige Allergiker (Gluten-, Laktoseintoleranz) koche ich jeweils ein separates Menü oder passe das Fleischmenü entsprechend an (z.B. also nicht nur Beilagen für die Vegis). Hingegen Veganer muss ich leider enttäuschen. Das ist mir schlicht zu mühsam. Nicht, dass ich nie vegan koche – aber wenn, dann nicht bewusst.
    Ansonsten gibt’s bei mir das, was auf den Tisch kommt. Ich bin kein Restaurant. Achja, und in dem Restaurant, in dem ich jahrelang gekocht habe, war ab 12 Personen Ende mit à la carte.

  3. Sibylle sagt:

    Tja, ich mache mir aus genau diesem Grund jetzt schon Gedanken um das Sylvestermenü. Einer ist Vegetarier, der zweite hat eine kombinierte Gluten- und Laktoseintoleranz, die dritte mag nix Exotisches und eigentlich auch keinen Reis, und dann sollte das Menü auch noch festlich und gut vorzubereiten sein. Bisher ist mir noch nichts Überzeugendes eingefallen. Außer Kartoffeln, Eier und Gemüse bleibt ja nicht mehr viel…

    • Wilde Henne sagt:

      Pellkartoffeln, verschiedene Salate und Käse… hatte ich schon mal vorgeschlage für mäklig-allergische-mühsame Mitesser… Ne, ich hab es echt aufgegeben, allen gerecht zu werden. Und da ich wirklich selbstherrlich bin und davon ausgehe, dass kaum jemand in meinem Umfeld so gut kocht wie ich, tische ich einfach auf… und siehe da, alle essen, keiner mosert rum… und diejenigen, die irgendwas nicht vertragen, finden auch was, das für sie trotzdem passt. Seit ich nicht mehr im Restaurant arbeite, koche ich so, wie ich will… und siehe da, sie essen – ohne zu meckern!!!

    • ralf sagt:

      Da hilft nur folgende Idee: Eine Indische Reistafel mit verschiedenen vegetarischen Currys.
      Falls Fleischesser eingeladen sind kann man die Palette der Gerichte einfach erweitern.
      Hier ist ein Kochbuchvorschlag dazu:

      http://www.onlyfood.de/?p=2670

      • Sibylle sagt:

        Tja, bei den Currys wird dann nur die 3. Person, die weder Exotisches noch Reis mag, nicht glücklich. Ich denke, die einfachste Idee dürfte sein, noch ein Dutzend weitere Leute einzuladen und ein großes Häppchenbuffet aufzustellen, dann soll jeder essen, was ihm passt ;-)

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