“Optimistenmenü” in Carentec


Ich will ehrlich sein, ein Restaurant, das auf der Karte ausschließlich Hauptgänge
zwichen 50 und 75 Euro auflistet, löst bei mir einen heftigen Fluchtreflex aus. Da
helfen auch keine zwei Sterne vom Michelin. Zu unserem großen Glück bietet Pat-
rick Jeffroy mittags in seinem Restaurant “L´Hotel de Carantec” aber auch eben
dieses “Optimistenmenü” an, für freundliche 39 Euro. Das hat doch Charme! Dass die
Zeitschrift “Der Feinschmecker” Joffrey für den besten Koch der Bretagne hält, macht
die Sache natürlich noch interessanter, also bin ich für heute mal Optimist!

Vorweg gesagt, dieses 3 Gänge Menü war so ungefähr das Beste was ich seit längerem
unter der Gabel gehabt habe. Schon das Amuse Bouche versetzte uns in Verzückung.
“Hummereis auf Limonenmousse mit Hummergelee”

Hört sich genauso spektakulär an wie es geschmeckt hat. Der Atlantik auf einem Löffel!
Kaum hatten wir uns von dieser Überraschung erholt, stand schon die Vorspeise vor uns.

“Tartare von der Dorade mit frischem Wasabi, Gurkenstreifen, Ziegenkäse und Pfirsisch-
Grapefruitjus”

Herrlich saftig, knusprig, fein säuerlich, perfekt, originell. Nur von Wasabi habe ich nichts
geschmeckt.
Der Hauptgang kommt alsbald.

“Makrelen- und Meerbrassenfilet mit pochierter Auster, Lattichsauce und Süßkartoffeln”

Gekonnt, verspielt angerichtet, perfekt zubereitet. Die Süßkartoffeln als Chips und als
kleine Kugeln, ein Traumteller, leicht und luftig wie ein bretonischer Sommertag.
Nach einer angenehmen Pause kam das Dessert.

“Feigentarte mit confierten Orangen, Karamelcroustilliant und Cassissorbet”

Das Karamellblatt , auf den in Portwein pochierten Feigen, war derart zart, dass ich das Gefühl
hatte, es zerbricht schon vom Anschauen. Das Cassissorbet war der gelungene Kontrast zu den
süßen Feigen. Phantastisch, brillant, unwahrscheinlich gut. Ich überlegte kurz,  ob ich nicht
den restlichen Urlaub hier verbringen möchte und mein Bankkonto plündern sollte, da stand
vor uns schon wieder ein kleines Dessert, ein Gruß aus der Küche am Ende des Menüs. Ein
Teelöffel herrliche Creme Catalan mit Pfirsischconfit. Auch diese sensationell.

Zum Espresso gab es dann noch hausgemachte Bonbons der Gourmetklasse und in einer
Schatulle diese perlmuttfarbenen Minimuscheln, die sich als Schokolade entpuppten,
aber was für eine Schokolade!

Diese Detailverliebtheit und Grosszügigkeit und das wo wir doch nur so ein kleines,
günstiges Lunchmenü bestellt haben, hat mich tief beeindruckt, ja ich hatte sogar das
Gefühl, ich habe gerade etwas geschenkt bekommen (obwohl ich natürlich anschlies-
send bezahlt habe). Dank an den Meisterkoch, das nächste Mal bin ich bereit für das
grosse Abendmenü, versprochen.

 

www.hoteldecarantec.com

 

 

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